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Krisenintervention für Kinder und Jugendliche geht von deren heterogenen und verunsichernden Lebenslagen aus, versucht den Hilfesuchenden Rückhalt zu geben und handlungsstärkend zu wirken. Sie nimmt die Anliegen der Mädchen und Burschen ernst und versucht sie in ihren Interessen zu unterstützen. Wenn möglich und sinnvoll wird anschließend auch versucht, innerfamiliäre Ressourcen herauszuarbeiten und zu nützen, sowie vorhandene Angebote des sozialen Netzes mit einzubeziehen bzw. zu organisieren.
Als eigenständiger Arbeitsansatz im psychosozialen Bereich konzentriert sich Krisenintervention auf die Deeskalation und Bearbeitung der unmittelbaren Krisensituation bei gleichzeitiger umfänglicher Wahrnehmung der weitreichenden Problemlagen.
Sie ist in ihrer Dauer auf wenige Wochen begrenzt. Darum arbeitet Krisenintervention zielorientiert, eingedenk der Schwierigkeit, eindeutige und klar umrissene Ziele festlegen zu können, da die derzeitigen gesellschaftlichen Verhältnisse für viele junge Menschen wenig persönliche Perspektiven bietet. Krisenintervention thematisiert die Brüchigkeit vorgefertigter Lebenskonzepte, um gemeinsam mit den Betroffenen an diesen Bruchlinien entlang gangbare Handlungsschritte zu entwickeln.
Das verlangt eine aktive Haltung der HelferInnen und eine ressourcenorientierte Intervention, die sich nach den unterschiedlichen Lebenslagen, Möglichkeiten, Fähigkeiten und sozialen Netzwerken der Hilfesuchenden richtet. Dabei geht es um die Stärkung der Gestaltungsfähigkeit der Kinder und Jugendlichen ihr eigenes Leben betreffend, und nicht darum, ihre Defizite und Störungen zu beheben.
Es wird von den Hilfesuchenden (Kinder, Jugendliche, Eltern, unterstützende erwachsene Bezugspersonen) freiwillig in Anspruch genommen. Hilfe in Anspruch zu nehmen und eine Zusammenarbeit zu suchen sind wichtige Schritte im Prozess einer möglichen Veränderung. Kinder und Jugendliche sollen also auch selbst darüber entscheiden, wann sie Hilfe anfordern oder ablehnen und welche Unterstützung sie in Anspruch nehmen wollen. Wir halten Mädchen und Burschen nicht gegen ihren Willen oder auf Anweisung ihrer Eltern oder der Polizei fest.
Weiters ist Vertraulichkeit eine wichtige Voraussetzung dafür, sich auf einen Hilfeprozess einzulassen. Wer die Beratung des KIZ in Anspruch nimmt, kann dies auch anonym tun. Die einzelnen Arbeitsschritte werden immer mit den Betroffenen abgesprochen bzw. gemeinsam entwickelt. Die MitarbeiterInnen machen klar, welche Hilfe sie geben können und wo ihre Grenzen liegen. Sie sind auf die Bereitschaft der Betroffenen, aktiv an der Krisenbewältigung mitzuwirken, angewiesen.
Bei einer Aufnahme in den Wohnbereich erfragen wir die Identität der Kinder/Jugendlichen. Die Obsorgeberechtigten werden in der Regel über den Aufenthalt informiert. Die im KIZ geltende Schweigepflicht Dritten gegenüber besteht unabhängig davon.
Kinder und Jugendliche brauchen die Sicherheit, dass die Einrichtung nicht ohne ihr Einverständnis Maßnahmen in Gang setzt. Grenzen haben diese Prinzipien dort, wo akute Gefahr für deren Leben besteht und trotz der Intervention des KIZ diese Gefahren nicht abgewendet werden können.
aktiven Schutz vor körperlicher, seelischer und sexualisierter Gewalt
In manchen Fällen kann zum Schutz der Kinder und Jugendlichen eine Unterbringung im KIZ auch gegen den Willen der Erziehungsberechtigten erfolgen. Eine solche Maßnahme erfolgt in Zusammenarbeit mit der zuständigen Jugendwohlfahrtsbehörde.
Unterstützung im familiären und sozialen Dialog
Die Einbindung der familiären und sozialen Bezugspersonen soll Kindern und Jugendlichen die Möglichkeit geben, in einem für sie unterstützenden Rahmen sich mit ihren Eltern oder wichtigen Bezugspersonen auseinander zusetzen und dabei vielleicht für alle Beteiligten mehr Klarheit in ihren Verhältnissen zu erreichen. Bei Familiengesprächen achten wir darauf, dass es nicht zu einer neuerlichen Machtausübung, zu Druck oder Schuldzuweisung kommt.
Stärkung der Handlungsfähigkeit durch Unterstützung ihrer Anliegen und Wünsche, das Ernstnehmen ihrer Ängste und Sorgen, durch das Aufzeigen von problematischen Lebenszusammenhängen und das gemeinsame Erarbeiten von Handlungsmöglichkeiten und realistischen Zukunftsperspektiven.
Vermittlung und Vernetzung von Hilfsangeboten
Die Arbeit des KIZ ist auf rasche, intensive Hilfe zur Überwindung einer momentanen Notlage ausgelegt. Für darüber hinausgehende, längerfristige, begleitende, beratende oder therapeutische Hilfen vermittelt das KIZ an bestehende Einrichtungen insbesondere der Jugendwohlfahrt oder der Gesundheitshilfe.
Arbeit mit Mädchen im KIZ
Häufiger betroffen von häuslicher und sexueller Gewalt sind Mädchen aufgrund ihres Geschlechts, restriktiver gesellschaftlicher/kultureller Bedingungen und Strukturen. Unser Ziel ist es, Mädchen nicht in ihrer Opferrolle zu belassen, sondern sie zu stärken und zu unterstützen. Wir nehmen das Handeln, Denken und Empfinden von Mädchen wahr und ernst.
Kriseninterventionszentrum für Kinder und Jugendliche in Not
Pradlerstraße 75, 6020 Innsbruck
Telefon: 0512 / 58 00 59, Email: info@kiz-tirol.at